Die Innenbohrung einer barocken Blockflöte oder Oboe zeichnet sich durch ihre unregelmässig konische Form aus.
Anders gesagt: Die Bohrung verjüngt sich nicht gleichmässig, sondern weist Stufen auf, also Abschnitte, in denen die Konizität an bestimmten Stellen stärker zunimmt. Diese Stufen erlauben es, die Oktaven ein und desselben Tons zu beherrschen. Das ist eine der wichtigsten Entdeckungen der Blasinstrumentenbauer des Barock.
Auch wenn die Instrumentenbauer des 17. und 18. Jahrhunderts vielleicht bereits Räumer verwendeten, mit denen sich eine unregelmässige Bohrung standardisiert herstellen lässt, arbeiteten sicher viele noch mit Löffelbohrern, die schwieriger zu handhaben sind.
Heute verwenden die meisten Holzblasinstrumentenbauer Räumer, also eine Art Bohrer, die der unregelmässig konischen Form der Bohrung entsprechen. Diese Räumer bestehen aus einem konischen Zylinder aus Hartmetall, den man auf die richtige Form drehen muss und von dem man durch Fräsen ein Viertel abträgt, um eine Schneidkante zu erhalten.
Meine Räumer wurden von meinem Freund Xavier Plantevin gefertigt. Xavier leitet die Metallwerkstatt der Hochschule für Kunst und Design in Genf (HEAD) und hat dort eine CNC-Drehbank von grosser Präzision zur Verfügung. Ohne Xavier hätte ich die Flöten und Oboen, die ich heute baue, nicht realisieren können.
Auf Grundlage meiner Zeichnungen und Masse hat Xavier meine Räumer mit Professionalität und seinem Sinn für Präzision gefertigt — ja mit dem Streben nach Perfektion und einer aussergewöhnlichen Sorgfalt.